Ich koche gern und viel. Oft trifft man mich auf Berliner Märkten auf denen ich Dinge suche, die ich noch nicht kenne.
Ich stehe auf simple frische Küche mit einer Menge Kräutern. Eine kleine, aber ordentliche Auswahl an Weinen dazu und immer ein kaltes Bier im Kühlschrank.
Einen Film, den ich im letzten Jahr im Kino gesehen habe und dann sofort auf DVD haben musste, ist "Pranzo Di Ferragosto - Ein Festmahl im August". Gianni di Gregorio, gibt mit rund 60 Jahren sein Regie-Debut und übernimmt die Hauptrolle gleich mit. Sehr passend, denn wie auch der Hauptcharakter Gianni, lebte di Gregorio selber auch im wahren Leben mit seiner verwitweten Mama lange zusammen, was dem Fim ein wenig autobiographische Würze verleiht ohne sentimental zu werden.
Zwischen Weihnachten und Neujahr ist jedes Jahr wieder eine merkwürdig leere Zeit. Man kann nach Weihnachten die Wochentage nicht mehr benennen, denn die Zeitrechnung ist: Noch X Tage bis Silvester. Und Silvester "ist ja auch irgendwie nicht mehr so wichtig und eigentlich ein Abend wie jeder andere im Jahr", wenn man sich so umhört. Um diese dadurch nicht ganz zu definierende Zeit zu füllen ist ein Kinofilm zum Zeitvertreib eine gute Sache. Soul Kitchen erzählt die Geschichte des Restaurantbetreibers Zinos in Hamburg. Vom Pech verfolgt verlässt Ihn seine Freundin, wird er krank und der neue Küchenchef ist ein Irrer, der wegen seiner exzentrischen Wutanfälle in einem Sterne-Restaurant eben dort seinen Job verlor. Sein Bruder wird gespielt von Moritz Bleibtreu, ist Freigänger aus dem Knast und gibt dem Chaos das I-Pünktchen, als er im Soul Kitchen auftaucht. Zeitsprung ans Ende. Das Soul Kitchen hat neu eröffnet und Zinos feiert dort Weihnachten zu zweit, happily ever after... Dazwischen passieren viel lustige, traurige und skurrile Dinge, die Fatih Akin besser im Film umgesetzt hat, als ich Sie erklären könnte. Ein Trailer:
Der Film ist so etwas wie ein Hamburger Heimatfilm mit Bildern, die man aus Shaft kennt, gespickt mit wunderbaren Gastauftritten von u.a. Peter Lohmeyer, Jan Fedder, Monica Bleibtreu und Udo Kier. Wirklich gut wird Soul Kitchen nicht durch tolle Küchenbilder oder schönen Tellern mit unfassbar lecker aussehenden Dingen darauf, die gibt es nämlich nicht, sondern durch die Musik. Curtis Mayfield, Jan Delay, Quincy Jones, Steve Baker, Hans Albers und Ruth Brown sind neben einigen anderen Musiker-Größen perfekt eingesetzt und geben den Bildern nicht nur Begleitung, sondern oft erst die Wirkung, die erzielt werden soll. Hier kann man in den Soundtrack reinhören. Ein sehenswerter Film, der nichts für Menschen ist, die wie in Ratatouille oder Julie & Julia Geschichten aus der Küche und um das Kochen erwarten, aber ein Film für Leute, die eine interessante Geschichte sehr gut erzählt haben wollen, die einen manchmal zum Lachen bringt und die Zeit zwischen den Jahren mit ein bisschen Leben füllt. Welcher Wochentag dann ist, weiss man hinterher trotzdem nicht; aber in 4 Tagen ist Silvester.