Olivenöl: Ein paar Tropfen für den Unterschied

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Ähnlich wie ein Stückchen Tomate durch eine Prise Salz erst ein wirklich leckerer Happen wird, so gibt es einige Dinge die erst mit ein paar Tropfen Olivenöl Ihre volle Wirkung entfalten. Ohne lange darüber nachzudenken fällt mir Büffelmozzarella ein. Wenn man einen Ballen vorsichtig aufreißt, ein paar Tropfen fruchtiges Olivenöl darüberträufelt und dann herzhaft in den cremigen Abriss hineinbeisst, ist das ein völlig anderes Geschmackserlebnis, als wenn man Mozzarella pur geniesst. Auch simpler Brokkoli, den ich eigentlich total langweilig finde und der auch nicht durch die so oft dazu gereichten gerösteten Mandelsplitter besser wird, bekommt mit einem Spritzer Zitrone und ein paar Tropfen Olivenöl einen völlig anderen Dreh und wird zu einer schmackhaften Beilage.

Ich habe mich in den letzten Jahren viele Olivenöle ausprobiert, hauptsächlich Empfehlungen aus anderen Blogs oder von Freunden. Allerdings sind neben meinem italienischen "Haus- und Hof-Olivenöl" nur drei unterschiedliche Olivenöle dauerhaft in meiner Küche gelandet. Daneben stehen meistens noch eine Flasche Rapsöl, Sesamöl und Kürbiskernöl zu Hause. Mir reicht das für den täglichen Bedarf zum Kochen aus.

Die Stiftung Warentest hat im aktuellen Heft (April 2010) 28 Olivenöle getestet. Der Gewinner ist La Selva, ein Bio-Olivenöl aus Italien zum Literpreis von 19,30 EUR. Überraschender sind für mich die Plätze zwei und vier, in denen Tropfen aus den Discountern Aldi und Lidl punkten konnten. Ebenso überraschend das Abschneiden eines Bio-Öl mit der Note Mangelhaft aus dem Hause Kaufland. Einmal mehr zeigt der Test für mich deutlich, dass Etiketten und Kennzeichnungen zwar den Rahmen stecken können, aber man als Verbraucher schlicht selber in der Pflicht steht auszuprobieren und sich informieren muß, mit was für Zutaten man sein Essen zu Hause zubereitet.

Meine ersten bewusst ausgesuchten Öle habe ich bei Artefakt bestellt. Über deren verschiedene Informationsbroschüren habe ich die Klasseneinteilung kennengelernt (Nativ Extra, Nativ, Lampantöl und Tropföl). Neben der Einteilung der Olivenöle in diese Güteklassen müssen Hersteller sich auch an feste Beschreibungen für Geschmacksbilder halten. Seit 2009 heisst es also "fruchtig", "bitter" oder "scharf" in den Abstufungen "leicht", "mittel" und "intensiv". Alle anderen Beschreibungen werden bald aus den Regalen verschwinden, sobald die Lager keine alten Bestände mehr haben.

Artefakt versucht ohne die Aufschläge des Handels die Preise für den Endkunden im Rahmen zu halten. Durch den Einkauf direkt bei den Erzeugern gelingt dies und ausnahmslos alle vier Olivenöle, die ich dort über den Zeitraum von knapp zwei Jahren bestellt habe, waren von hervorragender Qualität. Ein kleines Schmuckstück ist die jährliche Broschüre, in der die Familien der Olivenöl-Erzeuger mit Fotos und kurzen Beschreibungen vorgestellt werden. Das Heft liegt bei mir meist einige Wochen herum und ich lese immer mal wieder darin, obwohl ich dort schon ein paar Monate nichts bestellt habe. Wer Artefakt ausprobieren will, kann sich zum Beispiel ein Set von sechs unterschiedlichen Ölen bestellen.

Eine Freundin hat mir Anfang des letzten Jahres den liebevoll gestalteten Katalog von der Fattoria La Vialla mitgegeben und ich habe ein paar Weine, Soßen und Olivenöl bestellt. Für diese erste Bestellung haben mich neben der Empfehlung, nicht nur die wunderbaren Abbildungen der Produkte im Katalog animiert, sondern vor allem, dass dort unzählige Rezepte abgedruckt zu vielen Soßen, zu Pesto und Dressings abgedruckt waren, die gleichzeitig zum Kauf angeboten wurden. Man konnte also ausprobieren, ob man in der heimischen Küche selber tätig werden wollte oder doch lieber in der Toskana bestellen wollte. Die Fattoria liegt rund 1 1/2 Auto-Stunden südöstlich von Florenz und beim nächsten Trip nach Italien werde ich dort unbedingt vorbeifahren und mir dieses Idyll einmal ansehen, in der Hoffnung, das nicht jeden Tag dutzende Busladungen von Touristen abgefertigt werden. Aber selbst dann wird es spannend zu sehen, wo das wunderbare Olivenöl herkommt, was sich für fast ein Jahr in meine Küche geschlichen hatte. Hier könnt Ihr den Katalog selber kostenfrei anfordern. Das Olivenöl meiner Wahl wurde "Oliveta la Malva" aus dem Erntejahr 2008. Ein fruchtiges Öl mit mittlerer schärfe und wenigen Bitterstoffen. Erinnert an Majoran und Pinienkerne.

Vor ein paar Wochen habe ich aber endlich die sehnsüchtig erwartete Lieferung von einem Freund aus Hamburg bekommen. Er hat mit samt seiner beiden Geschwister und seinen Eltern ein paar Jahre in Mailand gelebt, kocht hervorragend, isst noch viel lieber und hat eine Mama mit inspirierender Wirkung - für jeden Menschen, der mal in Ihrer Küche sein und diese geniessen durfte. Das Essen und die Gespräche sind nachhaltig beeindruckend und anregend - immer. Da wird im Schleswig-Holsteinischen Land Italien mit all seinem Genuss, der Liebe zum Essen, der Gastfreundlichkeit und der grenzenlosen Großzügigkeit gekocht, gegessen und gelebt.

Genau dort bekam ich ein Olivenöl aus einem grünen, fast schmucklosen 5l-Kanister zum Probieren. Großzügig auf einem Teller verteilt, ein bisschen Brot dazu, ein paar Tomaten. Sonst nichts. Mir hätte auch das Olivenöl pur gereicht. Goldgelb, kaum scharf, mittelfruchtig kommt das Öl ohne bittere Spitzen auf die Zunge, breitet sich im Gaumen aus und bleibt überraschend lange dort. Selbst beim Biss ins Brot hat man noch einige Zeit etwas von den nachklingendem, aber nicht aufdringlichem Aroma, das zeitweise an Artischocken und Mandeln erinnert. Der Literpreis für das Öl aus Macerata liegt bei 15,00 EUR. Einen Namen habe ich beim besten Willen auf dem Kanister nicht entdecken können, aber der ist mir in diesem Falle auch vollkommen egal. Es schmeckt einfach saulecker!

Ich habe das Öl bereits zweimal in kleine Flaschen abgefüllt und verschenkt. Die Rückmeldungen waren fast immer die gleichen und meine Antwort für alle folgt hier:

Genauere Informationen, Anfragen und Bestellungen könnt Ihr an Sebastian Winkel richten: derwinkel@gmx.de

Ein paar Tropfen Olivenöl der höchsten Güteklasse können einfache und gute Produkte auf ein anderes Niveau bringen. Vanilleeis mit ein paar Tropfen feinem Olivenöl ist ein Gedicht. Cannelini-Bohnen mit frisch gehackter Petersilie und Olivenöl vermengt sind wie füreinander geschaffen, was man beim Beissen auf die mehligen Kerne zu spüren bekommt, wenn sich Öl, Petersilie und Bohne im Gaumen vermengen. Artischocken in Olivenöl dippen, getoastetes Ciabatta mit damit bestreichen oder Mozzarella mit frischer Chili und ein bisschen Olivenöl vermengen: Alles Geschmackserlebnisse, die durch Olivenöl erst so richtig großartig werden.

Probiert, probiert, probiert und lasst es Euch schmecken!