Hoffest in Melchow

Am Wochenende hatte ich die Chance den Hof zu besuchen, von dem das Gemüse kommt, was ich allwöchentlich auf dem Markt einkaufe.  Eine schöne Sache. Nach ca. einer 3/4 Stunde ist man aus dem Zentrum von Berlin in Melchow. Kein Landidyll, keine Oase des guten Essen und keine Klischees. Allein ein Bauernhof, der nach Demeter-Regeln arbeitet, Gärtner ausbildet und anscheinend sehr bekannt ist. Es waren ein paar hundert Menschen dort, die entweder zu dem Hoffest gekommen sind, weil eben alle aus der Umgebung da sind oder weil man auf dem Markt dazu eingeladen wurde. Voll war es allerdings nicht, weil das Gelände des Hofes wirklich groß ist.

Lamm vom Feuer

Es gab ein über einem Feuer gegrilltes Lamm, leckeres Gemüse, Salate und selbstgebackene Brote für kleines Geld. Schon spannend, wenn die Erzeuger aus den Zutaten Essen zubereiten, was man selber auch jeden Tag isst. Kein Schnickschnack, sondern solides leckeres Essen.

Lamm mit Kräuterquark, Roter Beete und grünem Salat

Ok, ein bisschen Klischee gab es schon: Kinder konnten im Stroh spielen und wurden auch auf dem Traktor herumgefahren. Das war allerdings zu ertragen, sogar ganz unterhaltsam und für einige Kids aus der Stadt sicher auch ein Erlebnis.

Stadtkinder im Stroh

Der Besuch bei den Menschen, die dafür sorgen, dass man jede Woche frisches Gemüse bekommt, verändert das Leben nicht. Vor allem nicht, wenn man eigentlich weiß wie das alles aussieht (Heimatlink) und sich selber über Jahre auf dem Bauernhof sein Taschengeld verdient hat. Aber man bekommt ein noch besseres Gefühl für diese Lebensmittel. Man sieht wo die Rote Beete aus dem Boden kommt, wie die Bohnen am Strauch wachsen, die man noch am Morgen auf dem Markt gekauft hat und wie der Grünkohl bereits in Palmen unter schützenden Netzen wächst, den man in ein paar Wochen bekommen wird.

Himbeeren

Wie mühsam es ist eine Schale Himbeeren zu pflücken, merkt man dann, wenn man sich davon mal eine ganze Handvoll in den Mund schieben will.

Ich kann nur jedem raten mal auf einen Hof zu fahren, weils zum einen ein wunderbarer Ausflug ist, der mit leckerem Essen belohnt wird, zum anderen sind diese Höfe gar nicht so weit weg und man trifft ein paar spannende Menschen. Die freuen sich zudem meistens sehr über das Interesse, was man an Ihrer Arbeit zeigt.

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Noch lange kein Coq au Vin, aber ähnlich lecker

Man muss nicht gleich Coq au Vin kochen, wenn man leckeres Hähnchen essen möchte. Zunächst mal braucht man gutes Fleisch. Echt? Klar. Eigentlich selbstverständlich, aber man kann es nicht oft genug sagen in Zeiten von guten und notwendigen Diskussionen um unser Ernährungsverhalten, die gerade von Jonathan Safran Foer mit seinem Buch "Tiere Essen" angestoßen worden sind. Dazu in einem späteren Text mal mehr. Mein Hähnchen könnt Ihr wie folgt zubereiten. Wer i.Ü. Coq Au Vin machen will, findet hier und hier sehr schöne Rezepte.

Das braucht Ihr für 4 Portionen:
4x Hähnchenbrüste
Butterschmalz
1 rote Zwiebel, grob gehackt
1 Lorbeerblatt
2 mittlere Steinpilze, grob gewürfelt
2 kleine rote Beeten, geschält & gewürfelt
2 Kartoffeln, geschält & gewürfelt
1 Liter Rotwein
1/2 Liter Hühnerbrühe
Je 3 Stengel Petersilie & Thymian im Bund
Pfeffer & Salz

So funktionierts:
Die Hähnchenbrüste pfeffern & salzen und mit der Zwiebel in Butterschmalz von allen Seiten in einem Bräter anbraten, bis sie eine schöne Farbe bekommen haben. Die Steinpilze, rote Beete, Kartoffeln und das Lorbeerblatt dazugeben und die Brüste oben auf das Gemüse legen.  Mit dem Rotwein ablöschen und ein kurz aufkochen. Wenn der Alkoholduft verflogen ist, kommt das Ganze für ca. eine Stunde in den Ofen bei 160 Grad mit einem Deckel drauf. 10 Minuten vor Schluss den Bund frischer Kräuter dazugeben. Wenn Ihr die Kräuter vorher dazu gebt, wird die Soße Bitter bitter.

Nehmt den Bräter nach einer Stunde aus dem Ofen und legt das Hähnchen auf einen Teller in den ausgeschalteten offenen Ofen. Kocht das Gemüse mit der Hühnerbrühe auf und drückt alles durch ein Sieb in einen Topf. Kurz aufkochen, abschmecken, fertig. Die Kartoffeln sollten der Soße ausreichend Bindung geben, ansonsten hilft an der Stelle meist ein wenig vorsichtig dosiertes Kartoffelpüree aus der Packung - besser als jeder Soßenbinder.

Zum Hähnchen mit der Soße passt Reis, aber auch einfache Petersilien-Kartoffeln. Ganz wie Ihr wollt: Lasst es Euch schmecken!

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Steinpilz-Sandwich mit Beeren

Ein Sandwich direkt vom Waldrand. Herrlich, wenn die Beeren unter dem Druck der Hände zerquetscht werden und der Saft sich als Dressing über die gegrillten Steinpilze legt und in das getoastete Baguette einzieht. Unwiderstehlich.

Pro Sandwich braucht man einen mittelgroßen Steinpilz, Pfeffer, Olivenöl, Salz, ein Stück Baguette, einen 1/2 TL frisch gehackte Petersilie, ein EL Himbeeren & ein EL Blaubeeren. (Merkwürdige Mengenangabe: Beeren in EL. Naja, es kommt eben hin...)

1. Den Steinpilz vorsichtig säubern, in 3-4mm dicke Scheiben schneiden, leicht pfeffern und mit Olivenöl beträufeln. Die Grillpfanne sehr heiß machen, die Pilzscheiben vorsichtig hineingeben und die Hitze herunterdrehen. Nach rund einer Minute die Scheiben umdrehen und sobald sich die erstenTropfen bilden leicht salzen und die Pfanne von der Herdplatte ziehen.

2. Das Baguette halbieren, toasten und mit wenig Olivenöl beträufeln.

3. Die Petersilie vorsichtig unter die Pilze geben. Diese zuerst auf das Baguette legen, dann folgen die Beeren.

Es ist so simpel und es schmeckt großartig! Lasst es Euch schmecken.

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Lustiges Event-Essen im Himmel von Berlin

Man kann ja inzwischen an den verschiedensten Orten Essen geniessen und sich u.a. in völlige Dunkelheit begeben, um seine Sinne ein wenig zu schärfen. Es geht dabei meistens nie um die Qualität der Speisen, sondern vielmehr um den Event aussen herum. Mich hat das eigentlich nie gereitzt, aber eine Freundin hat mich auf das Lunch in the Sky hingewiesen und ich habe seit ein paar Jahren ein Faible für luftige Höhen. Die Kombination dort oben mal ein Lunch zu sich zu nehmen war reizvoll.

Ich bin heute Ihr Restaurant.

So wurde uns vorab ein wenig die Nervosität, ein Essen in 50m am Haken eines Kranes zu verputzen, mit einigen Gläsern Sekt genommen, bevor es in die Sitze rund um den Tisch ging. Festgeschnallt in Achterbahn-artigen Sitzen wurden wir in über die umliegenden Häuser gehoben. Drehbare Sitze sorgten, trotz Nieselwetter, für eine tollen Ausblick über die Stadt. Die Gedächstniskirche in fast anfassbarer Weite.

Das erste Prost in 50m Höhe.

Wie erwartet waren die Speisen kein wirkliches Highlight, aber solide. Zum Hauptgang gab es Ente, Frühlingszwiebeln und Polenta. Gutes Essen aus dem Steigenberger Hotel, das für die Gastronomie zuständig war.

Man hat sich relativ schnell an die Höhe gewöhnt und konnte die einstündige Fahrt in den nassen Himmel schnell geniessen. Ebenso die Nachspeise: Himbeermousse, Cassis-Irgendwas (sehr lecker) und ein paar Beeren.

Beerenlastige Nachspeise - lecker.

Eine sehr nette Stunde für Menschen, die Lust haben einmal anders zu Essen, die Höhe nicht all zu ernst nehmen und einfach eine Gute Zeit haben wollen.

Guad wars.

Uns hats sehr gut gefallen. Vielen Dank an Claudia für den Tipp und an Nils für die lustige Zeit da oben. Empfehle nachzusehen, wann das Dinner in the Sky Team in Eurer Stadt ist und das einfach mal auszuprobieren. Man kann Tickets z.B. über Mydays buchen.

Ich hätte da mal ein paar Fragen

1. Warum hat sich in der Heimküche der Basilikumtopf auf jede Fensterbank gesetzt, nicht aber Oregano, Salbei oder Thymian?

2. Warum trinkt man Kaffee aus Gläsern in denen Barlöffel stehen?

3. Gibt es Menschen, die bei Hooters essen gehen?

4. Warum löst das Wort "Vegetarier" bei so vielen Menschen Gedanken an Hirse, Linsen und Dinkel, anstatt an Spaghetti mit Tomatensoße, Kartoffelpuffer mit Apfelmus oder Caprese mit frischem Basilikum aus?

5. Warum gibt es keinen Tea-to-Go?

6. Haben unsere Eltern wirklich alles mit stumpfen Gemüsemesserchen geschnitten, die man heute nur noch in Ferienwohnungen in Dänemark findet?

7. Gibt es Menschen, die alles mögen? Ich meine alles, auch Kapern und so...

8. Gibt es leckereren Saft als den von Walther?

9. Warum tun sich so viele Restaurants mit ordentlichen Suppen so schwer?

10. Warum habe ich von Paloma noch nie etwas gehört, bevor ich vor ein paar Tagen bei Stevan darüber gelesen habe und jetzt nicht mehr von dem Zeug loskomme?

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Kalte Gurken-Papaya-Suppe mit Chili & Minze

Es ist Grillzeit und eigentlich grillt man ja dieser Tage fast jedes Wochenende irgendwo mindestens einmal. Saftige Steaks, leckere Wurst und ein paar Salate sind der Standard der Wochenendmahlzeiten geworden. Befeuert durch die Fussballspiele um 20:30h in den vergangenen Wochen wurde es auch oft ein zweites Mal. Und das bei den derzeitigen Temperaturen, die eine ganze Reihe Menschen beklagen - auffällig im Übrigen, dass es die sind, die den ganzen Winter lang über die Kälte lamentiert haben. Wie kann man sich eigentlich jeden Tag aufs Neue über das Wetter beschweren? Mir egal, ich machs noch nicht. Wenn also Abends reichlich gegrillt wird, kann man Mittags nicht auch noch eine volle Mahlzeit verputzen. Und bei eben der Hitze, fällt das manchmal auch sehr schwer. Abhilfe geben frische, kalte und leichte Gerichte. Der Klassiker unter den kalten Suppen, Gazpacho, hat es mir nie angetan, wobei ich nach dem Lesen des Rezeptes bei Cucina Piccina Lust bekommen habe, den Spaniern noch einmal eine Chance zu geben - wir werden sehen. Ich habe mich für eine kalte Gurkensuppe entschieden, was mehr an den Zutaten im Kühlschrank lag, als dass ich es von langer Hand geplant hätte. Das wichtigste daran ist ein ordentlicher Standmixer, in dem man die Supper zubereitet und ein feines Sieb, durch dass man die Flüssigkeit am Ende einmal durchgibt.

Für 1,5 Liter Suppe benötigt man:
1 Liter Ayran (oder 1/2 Liter Joghurt & 1/2 Liter Wasser)
2 Salatgurken, gewürfelt
1/2 Papaya (90% gewürfelt, den Rest klein hacken)
1 Chilischote samt Kerne
ca. 8 Blätter frische Minze
Salz

Die Zubereitung ist denkbar einfach:
Den Ayran mit der Gurke und dem gewürfelten Papayafleisch in den Mixer geben und 1-2 Minuten mixen, bis eine sämige Konsistenz entstanden ist. Probieren und salzen, falls der Ayran das nicht ausreichend übernommen hat (schafft der fast nie, bei soviel Gurke). Dann gibt man die Chili und die Minzblätter dazu und mixt noch einmal für ca. 1 Minute. Schärfe und Aroma brauchen ein bisschen um sich zu verteilen, also vor dem Abschmecken (mit ein bisschen mehr Salz) kurz warten. Wenn man zufrieden ist, gibt man den Inhalt des Mixers durch ein feines Sieb und stellt die Suppe mindestens eine halbe Stunde kalt.

Servieren kann man dann im Becher, im Glas oder auf einem Teller, spielt alles keine Rolle. Ich habe das gehackte Papayafleisch in den Teller getan, die Suppe dazugegeben und ein bisschen Minze und Chili im Teller verteilt, damit alles ein bisschen schöner aussieht. Das schmeckt lecker und zwei Teller davon am Mittag reichen aus, um durch den heissen Tag zu kommen und um sich auf die Steaks vom Grill am Abend zu freuen. Lasst es Euch schmecken!

Noch mehr Suppen.

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Happy Birthday Gin Basil Smash

Heute hat ein Drink Geburtstag: Der Gin Basil Smash. Erfunden von Jörg Meyer, Gastgeber im Le Lion in Hamburg, vor genau zwei Jahren. Wer mitfeiern möchte geht heute Abend entweder ins Le Lion oder versucht sich selber daran den Drink zu mixen. Xavier Padovani erklärt hier sehr nett wie man gleich ein paar Gäste bei gleichbleibender Qualität glücklich machen kann (engl.):

Für alle Berliner kann ich zum Genuss dieses Drinks einen Besuch im Stagger Lee in Schöneberg empfehlen. Dort wird der Gin-Drink genauso lecker serviert, wie am Geburtsort in Hamburg. Lasst es Euch schmecken!

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Eine deutsch-türkische Freundschaft

Gestern kam es in Berlin zu einem spontanen Treffen internationaler Spieler, um ein unschlagbares Team zu formen. Ein halber Liter Ayran aus Anatolien und ein halbes Kilo frische Brandenburger Erdbeeren machten es sich in einem Mixer gemütlich. Dazu gesellte sich eine Palette Eiswürfel, um die gegensätzlichen Gemüter ein wenig abzukühlen. Der Ayran ist bekanntermassen sauer, die Erdbeere eher ein süßes Ding. Damit es überhaupt zu einem Miteinander kommen konnte, mussten sich ein paar Blätter Minze in den Mixer dazu gesellen. Nach einer, durch das Eis ausgelösten sehr lauten Auseinandersetzung im ersten Durchgang, kam es nach ein paar weiteren Runden im Mixer zum gemeinsamen Auslaufen aller Teammitglieder durch ein sehr feines Sieb schliesslich zu einem harmonischen Miteinander. Ich kann Euch nur raten das mal nachzuspielen und dann lasst es Euch schmecken!

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Amazon.de liefert Lebensmittel aus

Früher kam der Bofrost-LKW, heute liefert Amazon - nicht nur Tiefgefrorenes. Auch frische Lebensmittel können ab sofort auf www.amazon.de/lebensmittel bestellt werden. Die Waren werden von unterschiedlichen Händlern wie Gourmondo oder Froodies bereitgestellt. Eigenen Amazon-Waren habe ich nicht entdecken können. Es gibt unterschiedliche Gruppierungen, die die Auswahl einfach machen. Vegetarisch, Vegan, Fair Trade, Bio, Kaffe & Tee, Wein, Süßes, etc. etc. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich die Dinge, die ich nicht auf dem Markt bekomme dort bestellen werde. Angebot, Preise, Versandkosten und Dauer werden darüber entscheiden. Froodies bietet bei Amazon zum Start hier versandkostenfreie Lieferung an - über 2.000 Produkte zur Auswahl.

Den Gang zum Markt wird ein online-Händler für mich nie ersetzen können. Das Austauschen mit den Menschen, der Geruch frischer Aprikosen und das Quietschen von frischem Spargel - das muss man draussen erleben. Aber den Gang zur Drogerie und zum Supermarkt kann man sich in Zukunft das ein oder andere mal vielleicht sparen.

Der guten Form halber: Ich arbeite für Audible.de, einem Unternehmen, welches zu Amazon gehört.

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Artischocken in der Bretagne

1985 sind ein paar heute noch Aaah- und Oooh-auslösende Dinge passiert: Boris Becker gewann mit 17 Jahren Wimbledon, Tetris wurde progammiert und Bruce Springsteen war mit "Born in the USA" für rund 11 Wochen auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Es gibt allerdings eine Sache, die all das in den Schatten stellte - zumindest für mein damaliges Empfinden als 6-jähriger im Familienurlaub in der Bretagne: Meine ersten Artischocken. 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht der unverwechselbare Geschmack oder die Frische des Gemüses waren - wir haben die damals direkt vom Feld gepflückt. Was dem deutschen der Maiskolben ist, ist dem Franzosen die Artischocke? Ich weiss es nicht, aber ich fand weniger das Gemüse an sich faszinierend oder ganz außergewöhnlich lecker, als das drumherum abenteuerlich. Auf dem Rückweg vom Strand kurz am Feld angehalten, ein paar Artischocken mitgenommen und mit in die Ferienwohnung, war allein, da halb-illegal, ein Abenteuer für sich. Die Artischocken wurden dann, während man sich das Salz und den Sand vom Körper duschte und eine ordentliche Ladung Lotion gegen Sonnenbrand aufgeschmiert bekam, in Salzwasser gekocht. Dazu wurde eine einfache Vinaigrette aus Olivenöl, Weißwein-Essig, Salz, Pfeffer, Oregano, ein wenig Dijon-Senf und fein gehackten Schalotten in die Mitte des Tisches gestellt. Das beste am ganzen Essen war, das man mit den Händen essen durfte. Die ganze Artischocke wurde Blatt für Blatt, nie ohne den dippenden Umweg durch die Schüssel mit der Vinaigrette, regelrecht abgearbeitet. Total geplättet vom einem Tag in der bretonischen Sonne, wurde mit letztem Aufbäumen für das Abenteuer "Artischocken essen", die letzte Kraft mobilisiert.

Man isst von den Artischockenblättern nur den unteren fleischigen Teil, den man beim Abziehen von dem Gemüse automatisch vom Boden trennt. Die kleinen weichen Blätter in der Mitte wurden entfernt und genauso das Heu, auf das man im Inneren stößt. Bevor man nämlich an den Boden der Artischocke kommt, der die Maßlosigkeit des Genusses ist, wenn man zuvor immer wieder an den Blattenden fast schon bayerisch gezuzelt hat, muss man das klebrige Heu entfernen. Wenn man das nicht gewissenhaft macht, verdirbt es einem den späteren Genuss, weil man immer mal wieder das Gefühl bekommt ein paar weiche Gräten im Mund zu haben - also musste man das ordentlich machen, nicht ohne die Kontrolle von Papa, der sicherstellte, das auch alles Heu entfernt war. Denn wenn alle soweit waren, warfen die versammelte Familie die Böden der Artischocken in die Schüssel mit der Vinaigrette, ging die Hände waschen und wurde so auch das Heu an den Fingern wieder los, bevor man die eingelegten Böden nun mit der Gabel aus der Schüssel angelte und meist mit total übermüdetem Schweigen verspeiste. Vor dem Schlafen gehen habe ich dann aber doch eher an Boris Becker und nicht an Artischocken gedacht und mich drauf gefreut, dass ich selber in 11 Jahren Wimbledon gewinnen werde. Das hat nicht ganz geklappt. Aber die Artischocken mache ich heute noch genauso - ohne den Strandtag in der Bretagne, dafür manchmal mit Bruce Springsteen im Ohr.

Die Vinaigrette pro Artischocke:
6 EL Olivenöl
2 EL Weißweinessig
1 kleine fein gehackte Schalotte
1 Messerspitze Dijonsenf
1 TL getr. Oregano
Salz und Pfeffer

Alles verrühren und mit Salz & Pfeffer abschmecken. Von den Artischocken bricht man den Stiel ab und löst die unansehnlichen Blätter, bevor man diese so lange in Salzwasser kocht, bis sich die ersten Blätter außen leicht lösen lassen - je nach Größe der Artischocke dauert das 15-25 Minuten. Lasst es Euch schmecken!

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