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10 Antworten

  1. Agis Stamos
    5. April 2010

    Hallo!Über Geschmäcker kann man streiten und die Hauptsache ist, dass es einem schmeckt. So weit, so gut. Beim Olivenöl ist aber eins unstreitbar. Ein gutes extra natives Öl muss scharf und bitter sein. Ansonsten ist es ein Zeichen von einer zu geringen Menge von Polyphenolen. Das kann verschiedene Gründe haben. Die Oliven wurden zu lange gelagert vor der Extraktion, es wurden traditionelle Pressmethoden angewand, das Öl kam während der Herstellung mit Sauerstoff in Berührung, die Ölmühle war nicht so sauber, wie sie sein sollte etc. Von wirklichem und illegalem Pfusch (Panschen, Raffinieren … ) will ich gar nicht reden. All das bewirkt, dass das Öl oxydiert. Aromen und Geschmack gehen verloren und im besten Fall erhält man ein Produkt, dass mild und kaum bitter schmeckt. Leider haben sich bei den Meisten – durch den Verzehr von minderwertigen Supermarkt/Discounterölen – diese Fehler als etwas positives manifestiert. Man muss seinen Gaumen erst an Qualität gewöhnen.Stiftung Warentest ist schon in der Vergangenheit von Olivenöl-Experten kritisiert worden wegen ihrer Ergebnisse. Leider fehlt immer noch das letzte bischen Einsicht. Die Herstellung eines extra natives Öls ist ein schwieriger und kostenintensiver Vorgang. Da der Bauer, der Abfüller, der Verpacker, der Transporteur und der Händler etwas verdienen müssen, ist es unmöglich, ein extra natives Olivenöl zu einem kleinen Preis anzubieten. Es kann sich nur um minderwertige Ware handeln. Egal, was auf dem Etikett versprochen wird. Im Übrigen wird jeder Produzent eines guten Öls stolz auf seine Leistung sein. Seinen Namen und weitere Details wird man auf jeden Fall auf der Flasche/Kanister finden. Zweideutige oder gar keine Angaben sind ein Zeichen, dass es etwas zu verbergen gilt. Wer glaubt, das sei Propaganda eines Händlers teurer Olivenöle, der braucht nur ein von Stiftung Warentest gelobtes Öl und ein wirklich hochwertiges nacheinander zu verkosten. Weitere Worte erübrigen sich dann.Ich begrüße Ihren Appell an die Vernunft der Verbraucher, Eigeninitiative zu ergreifen, sich zu informieren und nicht unreflektiert zu konsumieren. Das mag zwar mühsam sein, doch das sollte es einem wert sein, wenn man seinem Gaumen und Körper etwas Gutes gönnen will.

  2. Paul Fritze
    5. April 2010

    Hallo Herr Stamos, vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich unterzeichne die meisten Punkte. Ich habe zwar nicht gelernt das Olivenöle höchster Güteklasse scharfe und bittere Noten haben müssen, aber nachvollziehbar ist Ihre Aussage nd Sie scheinen Experte zu sein (Am Rande: Sie haben eine tolle Auswahl.) Für meinen Geschmack ist Schärfe nicht ersetzbar, je nach Gericht in welchem ich das Öl benutzen möchte wünsche ich mir davon mehr oder weniger. Das jedes Olivenöl auch bittere Note haben sollte ist richtig – unangenehme bittere Momente nach dem Verzehr (im Beitrag habe ich das „Spitzen“ genannt) kann ich persönlich allerdings nicht leiden und versuche grundsätzlich Olivenöle in meiner Küche zu verwenden, deren Bitterstoffe eher in der Breite zu finden sind.Schöne Grüße nach Hamburg!Paul

  3. Flo
    7. April 2010

    Ich darf an dieser Stelle kundtun, dass ich mit einer kleinen Flasche beschenkt wurde und ich kann voller Inbrunst bestätigen: Ja, Olivenöl macht definitiv den Unterschied!!!Es macht dich zwar nicht zu einem Spitzenkoch…aber es lässt viele scheinbar einfache Sachen sehr wunderbar schmecken…und seien es die Rispentomaten aus dem Discounter. Aber natürlich macht es viel mehr Spass, leckere Gerichte zu verfeinern! Daumen hoch!!!

  4. Andreas
    8. April 2010

    Ein schöner Beitrag aus Anwender-Sicht und ein absolut richtiger Kommentar aus Hersteller-Sicht. Ich kann es nur begrüßen, wenn mehr Hintergrundwissen beim Thema Olivenöl entsteht. Beim Wein kennt doch auch jeder die Unterschiede :)

  5. Paul Fritze
    8. April 2010

    Vielen Dank, Andreas. Bin gerne Anwender bei den schönen Produkten, die man über Euch alle inzwischen beziehen kann. Ich habe im Übrigen wegen des Namens und der Geschichte zum Olivenöl noch einmal nachgefragt. Die kommt bald rein hoffe ich und dann poste ich hier nochmal… Viele Grüße, Paul

  6. Dagmar Genth
    18. August 2010

    Olivenöl – „Das ist ein weites Feld ….“So weit ist das Feld, dass man leicht den Überblick verlieren kann, daher bin ich immer froh, wenn solche Beiträge wie Deiner, Paul, eine fruchtbare Diskussion in Gang bringen! Ich gebe Andreas Recht: Was an Information dem Wein noch vor 30 Jahren fehlte, fehlt beim Olivenöl aktuell – heute. Nicht einmal alle Produzenten sind zur Zeit auf dem neusten Stand – oder aber sie beugen sich den sogenannten Sachzwängen… .Das „weite Feld“ vor allem der deutscher Olivenölverbraucher allerdings ist eine beispielhafte Tummelwiese, die der Studie lohnt: Teures Motoröl ist dort eine akzeptierte Investition – wer will schon seinem Motor schaden?!Auch muss das Olivenöl in der Küche – man ist inzwischen ja informiert! – in jedem Falle extra nativ sein, aber dies dann doch bitte – günstig (wir nennen es nicht „billig).Coole Sache, klasse Spielwiese – vor allem für Olivenölanbieter, denen Gewinnmargen, nicht aber Qualitätsprodukte am Herzen liegen.“Extra nativ“ ausgezeichnet ist also in deutschen Regalen so ziemlich alles. Kommt gut. Tatsächlich extra nativ ist aber nur ca. 5%.Ungeheuerlich?! Nun – der Kunde ist König, er bekommt, was er zu zahlen bereit ist.In südlicheren Ländern kränkt es niemanden, wenn die Olivenöle unterschiedlich ausgezeichnet sind, also auch als „nativ“ oder schlichtweg als „Olivenöl“. Der Deutsche jedoch will das Beste vom Besten zum Schnäppchenpreis. Und ist empfänglich für Blendwerk.So kann ich Agis nur zustimmen: Stiftung Warentest ist absolut kritikwürdig, denn sie bedienen mit nicht offengelegten Prüfungsmethoden die „Geiz-ist-Geil-Mentalität“. Dabei kann nichts Gutes herauskommen, denn ein gesundes, wertvolles Olivenöl ist ein Produkt extremer Sorgfalt. Alles andere bezahlt man mit der eigenen Gesundheit, mit unfairem Handel oder einem Verbrechen an ganzen Landstrichen + ihrer Bevölkerung.Beispiel: Bei uns im Süden Griechenlands gibt es eine herausragend gute Olivenbaumsorte. Das Öl ist geschmacksintensiv und fruchtig – heiß begehrt in Italien. Nein, nicht beim Endverbraucher, sondern bei den italienischen Produzenten! Den Einkaufspreis für das Olivenöl unserer Region bestimmen diese Herren, denn sie sind für unsere untereinander leider schlecht organisierten Bauern die wichtigsten Kunden. Im Winter fragt man also nicht: „Wie steht der Olivenölpreis?“, sondern: „Was zahlen die Italiener?“. Die zahlen wenig, in diesem Jahr war es 2,30 Euro im Kilo! Dieser Preis ist für jeden Bauern das eindeutige Signal, sich keine Mühe mehr zu geben, Erntesäcke voller Oliven tagelang im Regen liegen zu lassen, frisches Öl in gammelige Gefäße abzufüllen, in nichts mehr zu investieren, die Haine veröden zu lassen oder am besten eine eventuell verkaufbare Betonhütte darauf zu bauen. Warum für 30 Cent/h die Oliven kämmen?Griechisches Öl einmal mit einem klangvollen italienischen Namen versehen, verkauft sich prima und teuer. Label und Etikett wechseln hier ganz schnell – das belebt und verschleiert das Geschäft. Natürlich tauchen immer wieder, im Interesse der Händler als auch von Stiftung Warentest, die billigen Superöle auf. Millionen von Flaschen werden im Hinblick auf eine Probe hochgejubelt – von schwankender Qualität keine Rede. Ebenso als Qualitätskriterium mit Vorsicht zu genießen sind – und hier sind Agis und ich uns nicht einig, was jedoch unser Verhältnis nicht trübt;-)! – die diversen Prämierungen. Es werden die vom Produzenten eingeschickten Proben prämiert, deren Urkunden nachher bei einigen Herstellern als verkaufsförderndes Aushängeschild für tatsächlich Hunderte von Tonnen Olivenöl benutzt werden. Profitieren kann der Verbraucher hier kaum – der Veranstalter, Händler und Importeur jedoch sehr wohl.Was wir als Produzenten tun können, ist, die Qualität unseres Olivenöles nachweisen zu lassen und die Ergebnisse den Kunden zur Verfügung zu stellen; unsere Arbeitsweise offenlegen und immer wieder das Gespräch mit den Kunden suchen – aufklären halt. Klingt nach Mühe und Engagement auf beiden Seiten – und so ist es tatsächlich;-)! Auch können sich nur kleine Produzenten wirklich auf eindeutige Herkunfts-, Abfüll- und Erntedaten festlegen – so dass ein Etikett u.U. eine vertrauensfördernde Komponente sein kann.Dem Endverbraucher bleibt natürlich noch eine weitere, schöne Sache: Er kann probieren, sollte dies auch bei jeder Gelegenheit tun und sich u.a. auch den Spaß machen, verschiedene Öle blind im Vergleich zu schmecken! Das macht Freude – und erklärt auch dem Laien mehr als Worte!Olivenöl – wunderbar, lecker!!Tatort Olivenöl – spannend, oder?!Liebe Grüße, DagmarInformative Links unter:1. Was ist Etikettenbetrug? Unter: http://www.alisseos-olivenoel.de/index.php?option=com_content&view=article&id…2. Erntekosten: http://www.alisseos-olivenoel.de/index.php?option=com_content&view=article&id=5:ernte&catid=5:alisseos&Itemid=103. Super Info zum Olivenöl, zur Produktion und zu den Betrügereien in der Zeitschrift „Merum“ zu bestellen unter: http://shop.merum.info/pagine/de/prodotti.lasso?idp=3&-session=merum_shop:5E42E66B13f92176C6wYORB3A891&-session=merum_moduli:5E42E66B13f92176C6YYlTB3A8CD4. Beispiel einer freiwilligen Qualitätskontrolle unter: http://www.alisseos-olivenoel.de/index.php?option=com_content&view=article&id

  7. Paul Fritze
    18. August 2010

    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag. Die Kommentare in diesem post lassen mich mehr über Olivenöl lernen als meine letzten drei Jahre ausprobieren und informieren. Das ist super und ich freu mich da total drüber. Ich schreibe Dir die Tage mal eine Email. Ich hab da so eine Idee :-) cheers, paul

  8. Dagmar Genth
    19. August 2010

    Hallo Paul; hier spricht der Jogi, welcher der Ehemann von Dagmar ist. Sie hat mir gerade Deinen Wunsch übermittelt, daß Du gerne ein Probeflasche unseres Olivenöls geschickt bekommen hättest. Wohin darf ich diese Flasche schicken lassen? Dagmar wird sich i n Kürze bei Dir melden, um zu antworten. Viele Grüße aus der heißen Mani von Jogi Genth Am 18.08.2010 17:11, schrieb Comment to Posterous:

  9. Paul Fritze
    19. August 2010

    Hallo Jogi, ich hab Dagmar vorhin nochmal ausführlicher geschrieben (facebook). Danke für das Angebot :-)cheerspaul

  10. Christiane Zornbach
    28. Februar 2012

    Ich habe mit großem Interesse die Berichte und Meinungen gelesen.Seit einigen Jahren setzen mein Mann und ich uns intensiver mit Olivenöl auseinander. Mit der Zeit haben wir auch festgestellt, dass es riesige Unterschiede gibt.Zum einem habe ich einen Onlineshop, indem ich auch Olivenöl aus Apulien/Italien verkaufe, zum anderen haben wir da unten ein Grundstück wo wir jetzt bauen. Auf dem Grundstück haben wir ca. 80 Olivenbäume, an denen wir letzten November das erste mal geerntet haben. Vom Prinzip her wussten wir, wie es funktioniert aber dann selbst zu ernten ist etwas ganz anderes. Mit 5 Leuten haben wir 8 Std. gearbeitet und haben immerhin 960 kg Oliven geerntet. Es war extrem anstrengend und hinterher hat uns jeder Knochen wehgetan.Da unten gibt es viele Bauern, die ihre Olivenhaine auf dies Weise bearbeiten und dann die Oliven zur weiteren Verarbeitung und Vermarktung zu einer Genossenschaft bringen. Nur leider lohnt es sich kaum noch, denn die Konkurrenz ist einfach zu groß. Viele verkaufen ihre Ländereien und ziehen in die Stadt.Die Einheimischen in Apulien geben ihr Wissen gerne weiter und freuen sich über unser Interesse. Mir liegt es sehr am Herzen das Wissen weiterzugeben und freue mich immer, wenn ich auf solche Beiträge stoße.In meinem Blog http://www.blog.bella-trulli.de habe ich unsere Olivenernte ausführlich beschrieben.Ciao Christiane

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